Dicker Hai in 16:9 : Fatshark Dominator V3 im Newbie-Test

Hobbies sind teuer

Egal ob man gerne schnelle Autos fährt, jeden Tag ins Kino geht, immer den neuesten 300 Zoll-6K Fernseher daheim haben muss, oder eben mit kleinen, ferngesteuerten Multicoptern aus Pilotensicht um die Wette fliegt. Zum Glück bleibt es aber jedem selbst überlassen, ob man gleich für den Anfang zum Profi-Equipment greift, um nicht doppelt zu kaufen, oder lieber erstmal die “günstige Anfängervariante” wählt.

Dieser Test erzählt die Geschichte eines Anfängers welcher gleich “das gute Zeug” wollte – nämlich die Fatshark Dominator V3.

Das Thema Videobrille ist ohnehin ein sehr schwieriges. Es gibt viele Parameter, auf die man acht geben muss. Raceband, Field of View, Auflösung, Farbwiedergabe, Empfänger, Bauart, Antennen, etc. etc.

 

Grundsatzfrage

Die Grundsatzfrage die sich jeder gleich zu Anfang stellen sollte ist aber sicher in der Einleitung erwähnte. Was will/muss/kann ich ausgeben? Und was kann ich mir von meinem Geld erwarten? Komplettbrillen (also inklusive Empfänger, Antenne und Akku gibt es ab ca. 80$ (zum Beispiel die EV 800 von Banggood). Hier wird ein zentraler Bildschirm verwendet, welcher das Videobild wiedergibt. Ein großer Vorteil dieser Bauweise ist zum einen der Preis, zum Anderen die Möglichkeit (speziell bei der EV 800) die Brille auch als normalen Monitor zu nutzen.

Nach gängiger Meinung ist das Immersionsgefühl (also das Gefühl direkt im Fluggerät zu sitzen) allerdings nicht so gegeben wie in Brillen mit einem Bildschirm pro Auge. Des weiteren sind Brillen dieser Bauart auch nicht 3-D fähig und sind abmessungstechnisch wirklich wuchtig. 20161114_151720Dafür bekommt man aber um einen wirklich günstigen Preis eine funktionierende Brille.

Eine andere Variante sind Brillen mit zwei kleinen Bildschirmen und Linsen – einer für jedes Auge, die eigentliche “Immersionsbrille”. Bekannte Hersteller sind hier zB Fatshark, Skyzone, Boscam, Align uvm. wobei Fatshark der Platzhirsch ist in der Kategorie der RC-Videobrillen.

Die Headsets von Fatshark (Übersicht hier) beginnen preismäßig ca. bei  € 160,- (Teleporter V5) und reichen bis zum Topmodel, der Dominator HD um stolze € 560,- (exkl. Empfänger und Antenne). Unterschiede finden sich im Field of View (dem Sichtfeld – Teleporter 25 Grad, Dominator HD 45 Grad), der Auflösung, und natürlich den Funktionen (DVR Videoaufzeichnung, Headtrackingfunktion, Lüfter, HDMI etc.).

Hard Facts

Meine Wahl fiel auf die Dominator V3 – quasi dem kleinen Bruder der Dominator HD. Die Eckdaten klingen vielversprechend:

  • FOV 30°Diagonal
  • 59-69mm IPD Range (adjustable) (Augenabstand)
  • WVGA 800 X 480 Display
  • Support Side/Side 3D
  • NTSC/PAL Auto Selecting
  • HDMI 720p Support
  • Integrated Analog DVR (no HDMI recording)
  • Modular Head Tracker Bay
  • Modular Receiver Bay
  • DC in: 7-13V (2S/3S)
  • Power Consumption: 3.6W

Der Preis für die Dominator V3 beträgt bei Banggood ca. $375,- (siehe Link) exkl. Empfänger und Antennen.

Wenn man selbige noch dazurechnet schlägt sich das mit zusätzlichen ca. € 95,- zu Buche. Die Flugbereite Brille mit Empfänger und Antennen kommt also (je nachdem wo man kauft) auf ca. € 450,- bis € 550,- (örtlicher Fachhandel).

Da ich als Einsteiger persönlichen Service benötigte und keine Versandzeit in Kauf nehmen wollte besuchte ich den nächsten Modellbaushop, bei mir: http://www.der-schweighofer.at/, welcher auch eine Filiale in Wien hat. Es stellte sich heraus, dass es eine gute Idee war den Mehrpreis in Kauf zu nehmen, da mir der wirklich kompetente Mitarbeiter dazu riet keinesfalls den Empfänger der Brille ohne die Antennen zu betreiben, da dies in einem Totalschaden endet, was angeblich auch für den Videosender am Copter gilt – ein wichtiger Hinweis den ich bis dato noch nirgends gehört hatte.

Erster Eindruck

Es fällt mir schwer die Konzentration auf den Verkehr zu richten als wir uns auf den Weg nach Hause machen, wo doch mein Ticket in die Lüfte auf dem Rücksitz liegt und mit lüsterner Stimme “Setz mich auf und teste mich” zu flüstern scheint. Nach 60 Minuten Autofahrt (zum Glück ohne Stau) darf ich die Verpackung dann endlich öffnen. Schon beim Entfernen der Einschweißfolie kommt ein Produktfeeling á la Apple auf – eine hochwertige, reinweiße Kartonverpackung beherbergt, fein säuberlich eingepackt, jegliches Zubehör, das man braucht um gleich loszulegen (ausgenommen der zusätzlich zu kaufenden Antennen und des Empfängers):

• Fatshark Dominator V3 mit Faceplate und Lüfter
• Lipo-Akku 2S 1800mAh mit LED Statusanzeige und Ladeadapter
• AV-Kabel
• HDMI-Kabel Mini/Mini und Adapter Mini/Micro und Mini/Standard
• Tragetasche, sowie ein paar Fatshark Sticker

 

Verarbeitung

Die Verarbeitung der Brille wirkt zwar nicht billig oder schlecht, aber die Plastikindustrie hat trotzdem ihre helle Freude an dem Produkt, dafür ist die Brille aber auch nicht sehr schwer. Ein Quickstart-Guide in Form eines fingernagelgroßen Heftchens soll die ersten Schritte mit der Brille erklären, am Ende der allseits beliebte Satz “for further Information visit www.fatshark.com”.

Nachdem die deutsche Übersetzung der Anleitung scheinbar von Herrn Googleübersetzer persönlich übernommen wurde, blättere ich gleich zum englischen Manual weiter welches mir prompt befiehlt das Empfangsmodul einzusetzen, die Antennen aufzuschrauben und dann den jeweiligen Kanal des Senders einzustellen. Nach etwas Herumfummelei an der Blende des Slots wo normalerweise der Empfänger sitzen sollte bekomme ich selbige nach ein paar Minuten herunter und kann, entgegen anfänglicher Ängste, doch noch erfolgreich das Empfängermodul einsetzen und die Antennen aufschrauben.

Power On

Das Einschalten der Brille erfolgt nicht über einen Kippschalter sondern schlichtweg über das Einstecken des Akkus. Ein erster neugieriger Blick in die Brille verrät mir prompt, dass alles zu funktionieren scheint. An der linken

fatshark dominator v3

Unterseite der Brille gibt es einen Schalter mit der Aufschrift “RX” mit dem man zwischen FPV-Modus und AV oder HDMI-Eingang switchen kann – wobei “1” soviel heißt wie “FPV-Modus an” und “0” “HDMI oder AV-Modus an”.

Schnell ist der Akku meines Copters hervorgekramt um gleich auch zum ersten Mal das Bild meiner FPV Kamera zu testen – und siehe da: alles funktioniert perfekt, nach ein paar mal umschalten zwischen den Kanälen auf der Brille finde ich den Richtigen und sehe mein freudiges Gesicht in der Brille (etwas unheimlich).

Nach einigen Minuten FPV-Erkundung unseres Hauses will ich es wissen – also packe ich hastig Copter, Fernsteuerung und Brille ein und gehe voller Enthusiasmus zur Tür hinaus um festzustellen, dass es 1. inzwischen draußen dunkel ist und 2. wie aus Kübeln schüttet. Etwas enttäuscht setze ich mich auf die Couch und ärgere mich über die Tatsache, dass ich nun auf Morgen warten muss um wie ein Vogel durch die Lüfte zu sausen, als mir einfällt, dass meine Brille HDMI besitzt und ich “FPV-Freerider” auf meinem Laptop installiert habe.

Also Brille auf HDMI gestellt, Simulator gestartet – und los geht’s. Und es funktioniert absolut perfekt. Es stellt sich sogar heraus, dass der Test am Simulator von Vorteil ist, da ich so die Brille auf meinen Augenabstand einstellen und mich an die Optik gewöhnen kann. Nach den Justagen übe ich ca. 30 Minuten durchgehend am Simulator bevor mir etwas komisch wird, da meine Augen und mein Kopf einfach noch nicht an FPV gewohnt sind.

Mein erstes Fazit nach dem Simulatortest: G E I L ! – aufgeregt gehe ich an diesem Abend ins Bett und träume von Flügen über Gebäuden und Wäldern und Bergkämme entlang, und unter Brücken und über Straßen und an Leuten vorbei und durch Gebäude, und und und…

Der erste Flug

Gleich am nächsten Tag nutze ich die Chance und den bis dahin verzogenen Regen und Nebel und schnapp mir in meiner Mittagspause meinen Copter und die Brille und fahre hinaus auf ein Feld wo ich zum ersten mal abhebe:

 

Geflogen im ersten Mode mit maximaler Korrektur des Gyros ist man anfänglich recht wackelig unterwegs. Trotzdem sind die Eindrücke durchwegs positiv. Die Brille hat trotz extrem schlechten Lichtverhältnissen einen guten Kontrast und stellt die Umgebung detailreich dar. Außerdem hat man die Möglichkeit sogar während dem Flug das Bild heller zu machen – sehr praktisch!

Die FPV Fliegerei ist so faszinierend dass ich vergesse mir einen Countdown auf dem Handy zu stellen, und so lande ich nach ca. 5 Minuten weich, aber doch weit entfernt in irgendeinem Acker. Zum Glück bemerkt ein aufmerksamer Spaziergänger meinen Copter am Wegesrand und gibt mir Bescheid.

An den kommenden Tagen nutze ich jede freie Minute um zu fliegen und die Sicherheit wächst stetig. Die Videobrille sitzt auch bei längerem Tragen sehr angenehm und ist angenehm für die Augen. Nur am Simulator brauche ich nach ca. 30 Minuten eine Pause.

Der Akku, welcher einen normalen Anschluss und einen INTEGRIERTEN Balancer hat, besitzt ebenfalls einen weiß20161114_151801en Stecker welcher AUSSCHLIESSLICH für die Stromversorgung des Lüfters da ist – es handelt sich nicht um einen Balancer-Stecker – den Akku einfach mit dem mitgeliefertem Adapter mit dem LIPO Ladegerät (aber nicht im Balanced-Modus) mit max 1,5 A aufladen. Nettes Feature: der Akku verfügt auch über einen Ladestandindikator an der Stirnseite, der mit einem Druck auf danebenliegendem Knopf den Akkustand anzeigt.

Die 1800 mAh des Akkus habe ich bis dato noch nicht leer saugen können, angeblich hält der Akku ca. 2 Stunden. Um plötzlichen Bildausfall aufgrund eines leeren Akkus muss man sich also kaum Sorgen machen.

 

Genial ist auch die DVR Funktion der Brille die es ermöglicht Flüge auf eine Micro-SD Karte aufzuzeichnen. Genial für die Analyse daheim und Ortung des Copters bei einem Absturz. Leider nimmt der DVR Recorder in einem Format auf, welches mit der Gopro Software nicht kompatibel ist und somit kann man den DVR Feed nicht mit Gopro Studio schneiden – Ein Manko das ich verschmerzen kann.20161114_151839_hdr

Nach einigen Tagen im Rated Modus schalte ich den Gyro an meinem Copter endgültig aus und fliege komplett ohne Lage-Korrektur, und siehe da: so fliegt sich’s gleich leichter! Was im Sichtflug sehr viel Geschick und Koordination erfordert ist im FPV Modus ganz einfach: man gibt dem Copter eine Richtung vor und dieser Richtung folgt der Copter auch, darum mein Tipp für alle, die schon am Simulator ohne Gyro geübt haben: benutzt den Acro-Modus!

Inzwischen sind wir unzertrennlich – meine Fatshark und ich. Es kommt nur noch selten vor, dass ich das Haus ohne Rucksack mit Copter und Brille verlasse.

 

Pros:

  • angenehmer Field of View
  • DVR
  • sehr gute Auflösung
  • angenehme Passform
  • HDMI
  • Headtracking fähig
  • vergleichsweise diskreter Look
  • für Brillenträger geeignet (Dioptrienausgleich über separat erhältliche Einschublinsen)

 

Cons:

  • Preis
  • Einschaltmechanismus verbesserungswürdig
  • DVR Format nicht mit Gopro Studio zu schneiden

 

Fazit :

Die Dominator V3 ist eine Videobrille die einfach funktioniert. Als Anfänger hat man mit dieser Brille sicher für die Zukunft FPV-technisch ausgesorgt, da die Qualität auch für Profis absolut passend ist. Wenn man sich noch nicht ganz sicher ist, ob FPV wirklich das ist was man will, sollte man aber lieber zu einer günstigeren Brille greifen.

 

Fußnote: Danke an meinen liebsten Sponsor 🙂

 

 

 

 

 

 

Notice: compact(): Undefined variable: limits in /srv/www/web712/apps/testpage/wp-includes/class-wp-comment-query.php on line 860 Notice: compact(): Undefined variable: groupby in /srv/www/web712/apps/testpage/wp-includes/class-wp-comment-query.php on line 860