Size matters: Diatone GT-M205 2018 im Zwergentest

Downsizing – “wenn ich das schon höre – viel zu kleine Motoren für viel zu schwere Autos” – denken sich da die meisten. Bei vielen Menschen ruft der Begriff alleine schon einen innerlichen Seufzer hervor. Man mag von Downsizing im Automobilbau denken was man will – in unserem Sport ist es jedenfalls gelebte Realität (auch wenn es sich dabei eher weniger um untermotorisierte Vehikel handelt). Micros nehmen in letzter Zeit immer größer werdende Marktsegmente in Anspruch, und das nicht ohne Grund. Gesetzliche Regulierungen, aber auch technische Entwicklungen treiben den Trend zum kleinen Racequad immer weiter voran.

Waren es vor einiger Zeit noch einige kleinere Gruppen von Tiny-Whoop Enthusiasten die den Trend vorangetrieben haben, so ist der Micro spätestens seit der Hochverfügbarkeit von ultrakleinen Brushlessmotoren und anderen Bauteilen im Micro-Format gesellschaftsfähig geworden. Doch worin liegen die konkreten Vorteile von kleinen Racequads?

– gesetzliche Regelungen können leichter eingehalten werden (zB Bewegungsenergie unter 79 Joule in AT)
– Lautstärke – die meisten Micros sind leise genug um sie auch am Spielplatz im Siedlungsgebiet zu betreiben
– Diskretion – durch die niedrigere Geräuschemission und die kleineren Abmessungen wirken Micros einfach ein wenig diskreter und es wird wohl leichter darüber hinweggesehen – ist ja nur Spielzeug 🙂
– Portabilität – leichte Akkus, kleine Copter, wenig Handgepäck
– Gartentauglich – natürlich heißt kleine Abmessung nicht unbedingt niedrige Geschwindigkeit, aber in jedem Fall geringerer Schaden beim Zusammenstoß mit diversen Pflänzchen im heimischen Garten. So bedeutet ein Crash mit einem 210er beispielsweise schnell das Ende für einen jungen Baum oder ein großes Loch in der Hausfassade – mit einem Micro ist die Wahrscheinlichkeit von Schäden niedriger.
– last but not least: der “ooooooooooooooohhhhhhhh”-Faktor. Was für die meisten Menschen das tollpatschige Hundewelpen ist für den FPV-Piloten das Micro-Quad – diese Dinger sind einfach ultraniedlich und am liebsten würde man es für ein Beuerchen auf den Arm nehmen nachdem es vom Ladegerät gesäugt wurde 🙂

Zu unserem Liebling:

Der Diatone GT-M205 2018 ist ein vollwertiger Racecopter im Micro Format. Unser Interesse fiel aus gutem Grund auf den überkompletten kleinen Copter:

  • F4 FC
  • DSHOT600
  • TBS VTX
  • OSD
  • Smart Audio

Die Daten in der Produktbeschreibung wirkten wirklich beeindruckend. Auch der Preis von ca. $ 150,– konnte uns, insbesonders mit dieser Ausstattung überzeugen. Die endgültige Entscheidung fiel (zumindest für mich persönlich) aber erst nach dem Testbericht von Andy RC welcher den Kleinen als gelungenes Gesamtkonzept darstellte. Um nicht wieder mit den verhassten Worten “Out of Stock” konfrontiert zu werden wanderte der GT-M205 just in den Warenkorb meines Banggood-Accounts.

Dank Priority Versand musste ich nur ca. 1,5 Wochen warten bis der Postmann ein verstörend kleines Paket vorbeibrachte. Dass ich wirklich einen kompletten flugfähigen Brushlesscopter in Händen hielt konnte ich erst glauben als ich die winzige Schachtel öffnete. Ein sorgfältig zusammengebauter Micro mit 94mm Diagonale präsentierte sich mir, eingebettet von einem sehr komplett wirkendem Zubehörpaket.

Am beeindruckendsten wirkte für mich eigentlich die Größe (oder besser gesagt “Kleine”) der Brushlessmotoren. Der Copter sieht dabei aber designmäßig gar nicht so “richtig” nach Micro aus – statt TinyWhoop Flair versprüht der Diatone eher den Geruch von brennender Luft wie auf dem Racetrack, denn er sieht eigentlich wie ein Großer aus, nur eben in klein.

Nach ca. 30 Minuten in denen ich den Copter mit schnellen Handbewegungen über einen imaginären Racetrack auf meinem Schreibtisch flitzen lies widmete ich mich dem Zubehörpaket welches einen Satz Schrauben für die Props (2 Schrauben mehr als benötigt), 2 Stk Rahmenschrauben, 2 Straps, einen Satz Props, einigen Kabelbindern, einem Adapter für den FC, einen Pieper und sogar einen XT30 Stecker für den Akku beinhaltet. Natürlich dürfen auch die obligatorischen Diatone Sticker nicht fehlen. Eigentlich ein Zubehörset das sich sehen lassen kann. Ein zweiter Satz Props wäre allerdings schon nett gewesen.

Für die die es noch nicht wissen: der GT-M205 benötigt 1.9″ Props – eine Stolperfalle über die vermutlich noch viele fallen werden (auch ich habe nun 4 Sätze 2″ Props daheim liegen)

Der “Zusammenbau” also quasi das “Plug” von “Plug and fly” ging, abgesehen von einigen Problemen mit meiner Billigst-Funke flott von der Hand: Empfänger anlöten, auf PPM oder SBUS stellen, bei Bedarf noch den Piepser aus dem Zubehörpaket anstecken und verstauen und die Props montieren sowie die Empfängerantenne fixieren.

Danach kann es nicht schaden nochmal über die Einstellungen in Betaflight drüber zu schauen und vor allem den Arming Switch zu definieren und ggf Modes einzustellen. Der Copter ist bereits fix fertig für 3s Lipos getuned – daher macht es Sinn die PIDs so zu belassen wie sie sind. Angepasst habe ich eigentlich nur die Rates welche ich generelle immer gleich auf meine bevorzugten Werte umstelle. Und dann war da natürlich noch das OSD – eine Spielerei die ich bis dato in der Form noch nicht hatte. Gefühlte 2 Stunden habe ich die verschiedenen Felder hin und her und wieder zurück geschoben, angehakt und wieder abgehakt, bis ich endlich ein Layout beisammen hatte welches mir zusagte. Irgendwann dämmerte mir dann doch noch, dass der goldene Schnitt vielleicht im OSD eines Copters  gar nicht mal so relevant ist 😉

Los gehts.

Nach dem der Kleine Zwerg ordnungsgemäß armte, ich Failsafe bei demontierten Props getestet und den Piepser eingebaut hatte ging es an den Jungfernflug.
Zwar spielte das Wetter nicht ganz oder eigentlich gar nicht mit, da es sehr windig war, aber die Neugier übermannte mich und ich ergab mich ihr bedingungslos.

Beim Abheben erstaunte mich gleich mal die Beschleunigung nach vorne – man bemerkt gleich den Masseunterschied zu einem größeren, schwereren Quad. Etwas wackelig durchlief ich das übliche Prozedere und versuchte ein Gefühl für den Kleinen zu bekommen. Dank der ziemlich perfekt getunten Pids, der schnellen FC und DSHOT  vermittelt der Copter (zumindest mit 3S geflogen) ein hohes Maß an Sicherheit, selbst bei starkem Wind. Lediglich ein Wegtauchen nach unten ist mir bei schnelleren Turns aufgefallen, was zweifellos an Windstößen lag. Auch der leichte Propwash ist vermutlich auf Windeinflüsse zurückzuführen, für genauere Analysen darf man auf die ersten Ergebnisse der Blackbox gespannt sein. Alles in Allem war der Erstflug aber ein voller Erfolg und ausser ein paar Anpassungen der Rates ist bei den Einstellungen auch keine Änderung nötig.

Das OSD ist ein spitzen Extra und die Möglichkeit über Smart Audio diverse Einstellungen direkt über den TX zu machen ist wirklich genial. Hierzu muss einfach Gas in die Mittel – Yaw in die Linke und Pitch in die obere Position gebracht werden – schon sieht man über die Brille das Menü in dem man mit dem rechten Stick navigieren kann – VERRRÜCKT, “was erfinden die nur als Nächstes?” 😀

Was mich an dem Micro besonders fasziniert ist das Handling, welches sich (so finde ich) nicht allzusehr von dem eines 210ers oder 250ers unterscheidet. Freestyle macht genauso Freude wie Racing und die Akkulaufzeit scheint mit 4-6 Minuten bei 3S 550 mAh  je nach Flugstil auch sehr ordentlich zu sein.

Die Geschwindigkeit erscheint mir für so ein kleines Modell sehr hoch und auch Punchouts zeigen, dass die 6000kV Motoren den Zwerg mehr als nur ordentlich beschleunigen können. Wie es mit der Geschwindigkeit wirklich aussieht wird sich aber erst im Vergleich mit anderen Coptern zeigen.

Im Langsamflug überzeugt der GT-M205 mit Sicherheit und Stabilität. So macht auch der kleine Micro-Racetrack im Garten Spaß. Eine Fläche von gerade mal 300 m² reicht da eigentlich völlig aus wenn man nicht unbedingt darauf aus ist ihm die Sporen zu geben. Einfach genial am Abend nochmal eben ein paar Gartenrunden zu drehen – aus der Sicht einer Biene quasi…

 

Fazit:

Mein Fazit lautet ganz klar. “Je ne regrette rien” ICH BEREUE NICHTS. Der Diatone GT-M205 ist ein absolut gelungenes Gesamtpaket. Auch wenn es vielleicht günstigere Micros gibt denke ich, dass das Verhältnis zwischen bezahltem Preis und erhaltener Leistung wirklich spitze ist. Natürlich muss der Copter noch länger getestet werden um wirklich sagen zu können wo die Schwächen liegen, aber der erste Eindruck ist eigentlich fast überwältigend. Wer auf der Suche nach einem Micro in PNF Ausführung mit überkompletter Ausstattung und minimalen Abmessungen ist sollte hier zuschlagen. Wenn es auch eine Nummer größer sein darf wäre auch der HGLRC XJB145 ein heißer Tipp welchen wir auch in Kürze unter die Lupe nehmen werden.