Nucking Futs 920mm – 3D Druck

Ein kleiner, schneller, wendiger Segler für den Kofferraum für Tage an denen schon das aufrechte Stehen an der Hangkante eine Herausforderung ist? Kein Problem – “Nucking Futs” machts möglich. Dieses kleine Biest wurde ursprünglich von seinem Ersteller tahustvedt auf thingiverse.com als Pylonrenner entworfen mit dem Ziel ein pfeilschnelles Modell zu erschaffen das gänzlich im 3D Drucker erstellt werden kann. Die Vorteile: kurze Bauzeiten, günstige Materialien, Ersatzteile nachdruckbar, freie Designwahl, individuelle Anpassungen etc. Was dabei herauskam kann sich sehen lassen:

Der Pylonrenner erreicht mit entsprechender Motorisierung mit seinen 720mm Spannweite Geschwindigkeiten jenseits der 200 km/h. Als fleißiger Designer war der Ersteller aber auch so freundlich noch eine Version mit größerer Spannweite zu erstellen und zum Download freizugeben – so gibt es eine Seglervariante mit 920mm Spannweite für den Einsatz als Hangfräse.

Da sich der kleine Raser in der Online Community größter Beliebtheit erfreut haben sich mit der Zeit die unterschiedlichsten Mutationen ergeben, alles nachzulesen im eigenen RC-Groups Thread.

Zusammenbau

Man bemerkt dass der Designer dieses kleinen Teufels sich viele Gedanken gemacht hat – über ordentliche Scharniere angelenkte Ruder, ein integriertes Bowdenzugrohr für das Höhenruder, eine vernünftige und einfache Fixierung der Tragfläche, ein fixer Platz für das Höhenruderservo – was da aus dem Drucker kommt kann sich sehen lassen. Das Zusammenfügen der Tragflächensegmene erfolgt wahlweise über ebenfalls gedruckte Kunststoffverbinder oder über ein Carobonrohr mit 6mm Durchmesser. In meinem Fall wurden die Segmente mit den Kunststoffholmen verbunden. Das Höhenruder wird mit herkömmlichen Acetatstreifen befestigt, so kommst eine spielfreie Anlenkung zu Stande. Für die Querruder wird ein 2mm Carbonstab als Gelenk benutzt – alternativ habe ich das Innenleben eines Bowdenzugs genommen welches ebenfalls 2mm Durchmesser hatte.
Für die Befestigung des Höhenleitwerks wird noch eine M3 Schraube und zwei 2mm dicke Kunststoffstifte benötigt (ein kleines Stück Filament reicht vollkommen bzw. der Rest von der Querruderanlenkung). Um die Fläche auf dem Rumpf zu befestigen gibt es eine Ausnehmung für eine M3-Mutter die in der Flächenaufnahme versenkt wird (einfach etwas heiß machen) und anschließend von oben kommend mit einer entsprechenden Mutter die Tragflächen fixiert. Die Teile werden wie gewohnt mit herkömmlichem Sekundenkleber mittelflüssig und etwas Aktivator zusammengefügt. Das ergibt eine hochfeste Verbindung – meine Erfahrungswerte zeigten mir, dass die Drucke bei einem Aufschlag eher mitten im Material platzen anstatt an den Klebestellen.

 

  • Spannweite: 920 mm (Segler)
  • Leergewicht: ca. 320g
  • Steuerung: Q,H
  • CG: 26mm von Vorderkante Fläche
  • Ausschläge: Höhe 5mm, Quer 6mm

Erstflug

Schwerpunkt fixiert, Ausschläge angepasst, Rudercheck, raus damit. Der Erstflug lässt sich gut an einem Hang mit vernünftigem Wind absolvieren. Nucking Futs lässt sich wie ein Speer in den Wind schmeißen. Ein paar Kehren, ein bisschen Drachensteigen an der Kante  – richtiger Schwerpunkt und genügend Wind vorausgesetzt verhält sich der kleine “Pylonsegler” sehr brav und kann sogar in der Luft “geparkt” werden. Beim Anstechen nimmt er rasch Fahrt auf und hält die Geschwindigkeit trotz der geringen Größer erstaunlich lange (Gewicht sei Dank). An der Hangkante herumzuheizen macht besonders bei starkem Wind enorm viel Spaß. Das Handling ist sehr verspielt und Rollen, Loopings und alles dazwischen gehen locker von der Hand. Die geringe Größe merkt man sofort in unruhiger Luft – da wirbelt es den kleinen Draufgänger schon ganz schön durch die Gegend – also lieber in ruhigeren Luftschichten bleiben und dort ordentlich Gas geben. Beim Landen wie bei allen Modellen aus dem Drucker lieber mehr Geschwindigkeit mitnehmen und schön ausgleiten lassen. Die Stabilität ist bei diesem Modell meiner Meinung nach überdurchschnittlich – einziger Schwachpunkt ist wohl der Übergang von Rumpf auf Seitenleitwerk.

 

Mögliche Upgrades

Die Herstellung aus PETG hat sich für mich nicht bewährt – die Konstruktion ist für PLA (wesentlich steifer) ausgelegt und sollte so ausgeführt werden. eine Skalierung auf 120% ist mit PLA möglich womit ein etwas besseres Gewichtsverhältnis erzielt werden kann. Beim Druck macht es Sinn Stellen mit besonderer Beanspruchung (zB Übergang Rumpf – Seitenleitwerk) mit Mesh-Modifiern beim Slicen mit einer Innenstruktur zu versehen – ich baue hier einfach eine 40% ige Stützstruktur ein. Ansonsten gibt es nicht viel zu verbessern, das Teil macht einfach Spaß – unkomplizierter Flugspaß wie früher.

 

Skalierte Version 120%:

 

Fazit

“Nucking Futs” beschreibt es eigentlich ganz gut – es ist wirklich abartig wieviel Spaß man in so einem kleinen Flieger verpacken kann. Er passt in zusammengebautem Zustand in so ziemlich jeden Kofferraum und ist einfach immer mit dabei. Günstige Komponenten reichen völlig aus, der Zusammenbau ist wirklich keine Raketenwissenschaft, und das Beste: er kommt aus dem 3D Drucker, bei Bedarf können also jederzeit Teile nachgedruckt werden. Ein idealer Alltagsbegleiter für unbesorgte Hangspielereien bei stärkerem Wind (oder für rasante Speedüberflüge als Pylonmodell) der vom Piloten aber aufgrund seiner Quirrligkeit schon ein gewisses Maß an Erfahrung voraussetzt.

 

3D-Design und Dateiquelle: https://www.thingiverse.com/thing:3358880

Mein Kontakt: info@quadroholics.at